GründungPrototyping

Mein wichtigster Rat an Gründer*innen

Sascha Theobald bittet Blogger, den wichtigsten Rat für Existenzgründer*innen aufzuschreiben. Ich dachte mir, das ist doch der perfekte Start für mein eigenes Blog. Kurz zur mir: Ich bin seit zehn Jahren selbstständig mit einer Webfirma und einem Plattenlabel und habe vor kurzem meine Gründungsberatung “Middeldorf Consulting” gestartet, was übrigens hier und da eine gewisse Komik hat, eine Gründungsberatung zu gründen. Ich arbeite hauptsächlich mit Design-Thinking-Methoden. Design Thinking ist ein an der Universität Stanford entwickelter Prozess und Mindset zur Schaffung besserer Produkte und Dienstleistungen. Der Clou an meiner Beratung ist, die Selbstständigkeit meiner Kunden mit Design Thinking individuell und nachhaltig erfolgreich zu gestalten.

Mein Blog heißt Feierabend. Der Begriff “Arbeit” spielt in meinem Leben keine Rolle mehr, weil für mich alles eins ist: Leben und Arbeit. Deswegen habe ich eigentlich immer Feierabend. Ich möchte, dass meine Kunden das auch erreichen können.

Teste deine Idee

Aber zum Thema: Mein wichtigster Rat an Gründer*innen heißt “Teste deine Idee”. Klar werdet ihr sagen, natürlich testen wir unsere Idee! In Wirklichkeit macht es aber kaum jemand. Dazu eine kleine Geschichte: Vor sechs Jahren bin ich mit einem Bistro pleite gegangen. Wir haben so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Die klassischen Fehler der Gastronomie eben: zu hohe Umsatzerwartung, zu hohe Fixkosten, zu wenig Erfahrung, falscher Standort. Aber wir waren ja nicht dumm, uns waren die klassischen Fehler der Gastronomie ja bewusst. Und wie wollten wir diese Fehler vermeiden? Mit einem ganz tollen Businessplan! Hat uns auch jeder geglaubt, was da drin stand. Hat nur nicht funktioniert. Was war unser Hauptfehler? Wir haben nicht getestet. Anstatt erst einmal Zehntausende von Euros zu investieren, bevor der erste Gast den Laden betritt, hätten wir unsere Idee ausprobieren können. Die Idee war ein Bistro mit Abendbrot und elektronischer Musik. Der Laden stand leer, wir hätten einfach dreißig Leute einladen können und dann sehen, ob das funktioniert. Wir hätten gelernt, dass die Menschen Abendbrot nicht so geil fanden wie wir. Wir hätten gelernt, dass die Nachbarn unsere Musik schon mal gar nicht so gern mochten wie wir. Und wir hätten aus den Fehlern lernen können.

Im Design Thinking heißt dieser Prozess Prototyping. Ich rate Gründern, ihre Idee sehr früh im Prozess zu prototypen. Das kann je nach Geschäftsidee ganz unterschiedlich aussehen. In meinen Coachings sielt dieser Prozess eine wichtige Rolle. In der Regel schlage ich vier Prototypingtypen vor:

Schreibtischrecherche

Sucht nach Menschen, die ähnliches tun und erfolgreich sind. Was machen sie vielleicht anders als andere. Recherchiert auch euer Marktpotenzial. Ist eure Idee im Trend? Gibt es eine Nachfrage? Was sind Erfolgsfaktoren?

Interviews

Eines der stärksten Tools, das fast niemand nutzt, sind Interviews. Sucht euch Leute, die euch wertvolle Infos geben können. Sucht wichtige Leute aus der Branche. Fragt sie, ob sie eine halbe Stunde Zeit für ein Interview haben. Fast niemand wird nein sagen. Fragt, wie sie erfolgreich geworden sind, was sie dafür getan haben, was funktioniert hat und was nicht funktioniert hat, welche Fehler sie gemacht haben. Ihr erfahrt eine Menge und baut früh ein Netzwerk auf. Wichtige Regel: Es geht nicht um euch. Ihr könnt euch kurz vorstellen, sagen, wer ihr seid und was ihr vorhabt. Aber dann geht es um den Interviewpartner. Es darf nicht der Eindruck entstehen, ihr wollt euch selbst bekannt machen. Bereitet euch vor, wie ein Journalist das machen würde. Das hilft.

Hospitanz

Manchmal ist es nicht dumm, vor der eigenen Gründung ein Praktikum zu machen. Das ist aber aufwendig und schwer zu organisieren. Viel einfacher ist eine Hospitanz. Ihr fragt einfach jemanden, der etwas Ähnliches macht wie ihr, ob ihr ein paar Eindrücke bekommen könnt. Das können ein paar Stunden sein, ein Tag oder auch eine Woche.

Nebenbeiprojekt

In den allermeisten Fällen kann ich nicht empfehlen, von jetzt auf gleich zu kündigen und sich selbstständig zu machen. Eine Selbstständigkeit braucht Zeit zum Wachsen. Drei Jahre, bis ihr davon gut leben könnt, sind nicht selten. Die meisten bleiben bis dahin auf der Strecke. Ihr könntet zum Beispiel zuerst nur Abende und Wochenenden nutzen. Beliebt ist auch die Reduzierung auf eine Viertagewoche. An einem Tag schafft man viel als Selbstständiger. So könnt ihr euer Geschäft nachhaltig aufbauen. Und schon der eine freie Tag hilft, den Frust am Arbeitsplatz zu überwinden.

Das Testen von Ideen kann frustrierend sein. Und viele scheuen sich davor wie Menschen, die nicht zum Arzt gehen, weil sie davor Angst haben, dass der ihnen sagt, man sein krank. Aber es ist wie es ist: Wenn die Idee schlecht ist, wird sie nicht davon besser, dass man sie durchzieht. Scheitert lieber oft und früh – dreht ein paar Runden mehr – als nur einmal spät und dann für immer. Nur so kann dein Business nachhaltig funktionieren.

Mach was du willst und du musst nie wieder arbeiten.

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Heide Liebmann
November 29, 2018 3:58 pm

Hallo, ich bin durch Saschas Blogparade auf dich aufmerksam geworden. Die Idee mit dem Testing kann ich nur unterschreiben. Ich hätte mir damit auch die ein oder andere Bauchlandung erspart. Danke für den Beitrag.

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